Sind ein gutes Team und ziehen an einem Strang: Joseph, Hans Peter und Ferdinand Wagner von der Biobäckerei Wagner.
HWK
Sind ein gutes Team und ziehen an einem Strang (v.li.): Joseph, Hans Peter und Ferdinand Wagner von der Biobäckerei Wagner.

Im GesprächGenerationenvertrag mit Weitblick

„Ein bisschen Bio geht nicht“, da ist sich Hans Peter Wagner sicher. „Man macht sich ja auch unglaubwürdig bei den Kunden, denn entweder man steht voll und ganz hinter dem Ökologiegedanken oder nicht.“ Anfang der 80er Jahre war Wagner als junger Bäcker- und Konditormeister in die väterliche Bäckerei im niederbayerischen Ruderting miteingestiegen. Als Mitglied des Bund Naturschutz und als leidenschaftlicher Handwerker wollte er aktiv etwas zum Umweltschutz beitragen. „Ich habe damals viele Landwirte angesprochen, ob sie für mich Bio-Roggen anbauen wollen und lediglich ein einziger hat sich schließlich dazu bereiterklärt.“ Bis heute ist dieser Landwirt einer der inzwischen zahlreichen regionalen Lieferanten der Biobäckerei Wagner. Nachhaltigkeit ist Hans Peter Wagner eben wichtig. In den Geschäftsbeziehungen, bei der Auswahl seiner Rohstoffe – und auch bei der Betriebsübergabe an die nächste Generation. Schon vor Jahren hat er damit begonnen, den Betrieb peu a peu an seine zwei Söhne zu übergeben. Erbschaftssteuerfrei. Auch das liegt dem Handwerksunternehmer am Herzen.

Die vierte Generation packt mit an

Seine Söhne Ferdinand (39) und Joseph (37) finden es ebenfalls ungerecht, „wenn der Staat beim Betriebsübergang eines Familienunternehmens nochmal die Hand aufhält“. Ferdinand Wagner, selbst Bäckermeister, sagt: „Seit 2009 arbeite ich an sechs Tagen in der Woche im Betrieb mit. Ich habe die Expansion mit vorangetrieben, mich gut aus- und weitergebildet und dabei mitgeholfen, Arbeitsplätze zu schaffen. Wir haben unsere Investitionen bereits mehrfach versteuert – und dann soll ich im Erbschaftsfall nochmal Steuern zahlen? Wofür? Ich will mich schließlich nicht bereichern, sondern den Betrieb erhalten.“ Ferdinand Wagner und sein Bruder arbeiten inzwischen in vierter Generation im Unternehmen mit. Die Bäckerei Wagner gibt es seit über 100 Jahren. Das Betriebsjubiläum wurde im letzten Jahr groß gefeiert.

HWK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Kilger überreichte den Wagners im Rahmen einer Feierstunde das Ehrenblatt der Handwerkskammer und nannte die Biobäckerei einen „Vorzeigebetrieb“. „Heute feiern wir ein ganzes Jahrhundert Betriebsgeschichte, kluges Unternehmertum und familiären Zusammenhalt“, sagte Kilger bei der großen Firmenfeier im November letzten Jahres. Andreas Keller, Bereichsleiter Beratung bei der Handwerkskammer, findet die Einigkeit innerhalb der Familie Wagner ebenfalls bemerkenswert. Dass es nicht immer so läuft, weiß Keller aus jahrelanger Erfahrung: „Bei der Betriebsnachfolge in der Familie ist einer der wesentlichen Gelingfaktoren die emotionale Seite. Sohn oder Tochter werden zu Chefs und lösen Vater oder Mutter ab, die jahrelang das Sagen hatten. Darauf muss man sich einstellen, das ist eine nicht zu unterschätzende Herausforderung.“ Keller verweist in diesem Zusammenhang auf die Betriebsbörse der Kammer (siehe auch Infokasten), die in diesem Jahr 30. Geburtstag feiert und potentielle Übergeber und Übernehmer zusammenbringt. „Zusätzlich unterstützen unsere Betriebsberater bei allen Fragen rund um die Unternehmensnachfolge“, so Keller.

Nachfolge juristisch geregelt

Hans Peter Wagner und seine Söhne brauchten diesbezüglich keine Unterstützung. Die drei Handwerksmeister waren sich komplett einig, als sie beim Rechtsanwalt ein umfangreiches Vertragswerk unterschrieben, das die Nachfolge bis ins Detail regelt. Nach und nach werden immer mehr Unternehmensanteile vor allem an Ferdinand Wagner übertragen. In diesem Jahr, an seinem 40. Geburtstag im August, sollen ihm 55 Prozent der Bäckerei Wagner GmbH gehören. Zehn Jahre später, im Jahr 2036, wird Hans Peter Wagner weitere Firmenanteile an beide Söhne übertragen. Für Joseph Wagner ist diese Lösung völlig in Ordnung. Der Bäcker- und Konditormeister wohnt in München und kümmert sich um die dortige Filiale der Bäckerei. Er hat jahrelang im Ausland gelebt und gearbeitet und bei Dallmayr in München auch eine Zeitlang die Pralinenmanufaktur geleitet. „Mein Bruder engagiert sich seit Jahren im Betrieb. Wir verfolgen privat und beruflich eine nachhaltige Lebensweise, wir teilen gleiche Werte und wir möchten, dass die Bäckerei weiter expandiert“, sagt Joseph Wagner.

Das Wachstum der Bäckerei verlief in den vergangenen Jahrzehnten in der Tat rasant. Als Kaufhaus 1925 eröffnet, entwickelte sich das Unternehmen schnell zu einer Bäckerei mit der Eröffnung der ersten Backstube im Jahr 1934. 1978 wurde das Stammhaus in Ruderting neu gebaut, wenig später trieb Hans Peter Wagner den Umbau der Bäckerei zum Biobetrieb beharrlich voran. Am 1. April 2007 erfolgte die komplette Bio-Zertifizierung. Das macht den Seniorchef stolz: „Unsere Fahrzeugflotte fährt zu 100 Prozent elektrisch. Den Strom dafür produzieren die PV-Anlagen auf dem Dach unseres Firmenneubaus Am Zugsberg in Tiefenbach.“ Die Eröffnung der „gläsernen Bäckerei“ Am Zugsberg mit angeschlossenem Verkaufsraum samt Café und Tagungsräumen erfolgte im Jahr 2019. „Noch vor Corona“, merkt Ferdinand Wagner an. „Wer weiß, ob wir uns diese Investition danach noch zugetraut hätten.“

Weiter auf Expansionskurs

Ferdinand und Joseph Wagner sind sich der Verantwortung bewusst, die die Führung eines Unternehmens mit rund 180 Mitarbeitern, sieben Filialen und zahlreichen Wiederverkäufern – allein rund 50 EDEKA Märkte werden von der Biobäckerei Wagner beliefert – mit sich bringt. „Wir möchten weiterwachsen, dabei aber keine Kompromisse bei der Qualität der Backwaren und der Auswahl unserer Zutaten eingehen“, erklärt Ferdinand Wagner. Sein Bruder Joseph verweist auf den guten Ruf der Bäckerei als Arbeitgeber: „Es spricht sich rum, dass wir gut ausbilden und Tariflöhne bezahlen. Deshalb verzeichnen wir eine geringe Fluktuation und bekommen immer noch genügend Mitarbeiter und auch Auszubildende.“

Hans Peter Wagner, der sich ehrenamtlich als Obermeister der Bäckerinnung und als stellvertretender Kreishandwerksmeister in Passau engagiert, scheint ganz offensichtlich viel richtig gemacht zu haben im Leben. Was er Betriebsinhabern rät, die am liebsten ebenfalls familienintern übergeben wollen? Der Handwerksmeister muss nicht lange überlegen: „Erstens sollte man den Betrieb auf dem neuesten Stand und ohne Investitionsstau übergeben und zweitens den jungen Leuten im Alltag vorleben, dass es neben der zweifellos vielen Arbeit im Handwerksbetrieb immer auch noch ein Privatleben mit Freizeit und Urlaub gibt.“

 DHZ-Artikel

Ein Artikel aus der Deutschen Handwerks Zeitung vom 20. Februar 2026.

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