Freuen sich über den gelungenen Betriebsübergang (v.li.): Andreas Keller, Bereichsleiter Beratung bei der Handwerkskammer, HWK-Betriebsberater Horst Zaglauer, Jakob Koller, Julian Spitz, Werner und Sieglinde Goschler sowie Schierlings Bürgermeister Christian Kiendl.
Betriebsbörse der HandwerkskammerEine Werkstatt als Sprungbrett für Existenzgründer
Das neue Logo ist schon vom Weitem sichtbar. Eine Autokarosserie, bei der unten statt zweier Reifen ein Schraubenschlüssel angebracht ist. Darüber der Schriftzug: „KS Automobile GmbH“. Das K steht für Jakob Koller, das S für Julian Spitz, die beiden neuen Betriebsinhaber und Übernehmer von ehemals „Auto Goschler“ in Schierling im Landkreis Regensburg. Die zwei jungen Kfz-Meister haben den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt und dabei nicht auf die Neugründung, sondern auf eine Betriebsübernahme gesetzt. „Weil wir in dem Betrieb einfach viel Potential gesehen haben“, so die Handwerksunternehmer. Angebahnt hat sich die Übernahme dank der Betriebsbörse der Handwerkskammer, die heuer 30. Geburtstag feiert. Die Betriebsberatung der Kammer hat den Prozess tatkräftig mit unterstützt, so dass jetzt alle sehr zufrieden sind: Übergeber, Übernehmer, die Mitarbeiter – und auch die Kunden. Innerhalb von nur acht Monaten konnte der Übernahmeprozess komplett abgewickelt werden. Wie das geht, haben uns alle Akteure bei einem Vor-Ort-Termin erzählt.
Mitarbeiter bleiben an Bord
„Das Wichtigste ist, dass es zwischen den Parteien menschlich passt“, sagt Andreas Keller, Bereichsleiter Beratung bei der Handwerkskammer. „Und es ist auch wichtig, dass der alte Betriebsinhaber die Neuen zwar gut einführt, es dann aber schafft, loszulassen.“ Wir stehen in der Werkstatt der neuen „KS Automobile GmbH“ in der Schierlinger Frühaufstraße. Auf einer Hebebühne ist ein BMW angehoben, daneben arbeitet ein Kfz-Mechatroniker am Motor eines weiteren Fahrzeugs. Die Arbeitsatmosphäre im Team erscheint ruhig und konzentriert. Alle vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Auto Goschler sind nach dem Betriebsübergang an Bord geblieben. „Wir haben ein Riesenglück mit unseren Leuten“, sagt Julian Spitz. „Wir sind alle ungefähr gleich alt und arbeiten wirklich gut zusammen.“ Der Kfz-Meister aus Regensburg ist 24 Jahre alt, sein Geschäftspartner Jakob Koller ist 22. Koller hat seinen Wohnsitz inzwischen nach Schierling verlegt.
Das freut den dortigen Bürgermeister Christian Kiendl außerordentlich. Kiendl ist extra in die Werkstatt gekommen, um die beiden Jungunternehmer persönlich zu begrüßen. „Die Goschlers sind alteingesessene Schierlinger und deshalb bin ich sehr froh, dass sie es so gut getroffen haben, dass es mit der Werkstatt weitergeht, alle Arbeitsplätze erhalten werden und wir zwei engagierte Gewerbetreibende neu in der Gemeinde begrüßen dürfen.“ Sieglinde und Werner Goschler sehen das Kommen ihres Bürgermeisters auch als Wertschätzung ihrer Arbeit. Auch Schierlings damaliger Bürgermeister war vor 20 Jahren schon mit dabei, als die Goschlers ihre Werkstatt mit einem großen Fest eingeweiht haben. Seitdem ist viel passiert. Es habe Höhen und Tiefen gegeben, erzählt Werner Goschler. Aber letztendlich würde er alles wieder ganz genauso machen. Trotzdem sei er froh, jetzt mit 65 Jahren in den Ruhestand gehen zu können. Beim Rundgang durch die Werkstatt ist dennoch neben Stolz auf das Geleistete auch ein wenig Wehmut zu spüren. „Diese Werkstatt war 20 Jahre lang mein Leben“, sagt er. Seine Frau hat dieses Leben mit ihm geteilt, hat sich um die Buchhaltung, Bestellungen, Terminvergaben und Auftragsabwicklungen gekümmert.
Bürokratie frisst viel Zeit
Am 1. Oktober wurde aus „Auto Goschler“ die „KS Automobile GmbH“. Sieglinde Goschler sagt: „Ich bin erleichtert, dass die Betriebsübergabe so gut geklappt hat und wir beruhigt in Rente gehen können.“ Jakob Koller und Julian Spitz dagegen stehen noch ziemlich am Anfang ihres Berufslebens. Und das besteht für die beiden zurzeit aus Arbeitswochen, die die 40 Stunden regelmäßig gehörig überschreiten. Aber das ist den neuen Chefs ihre Selbstständigkeit allemal wert. Nur eins bremst die Anfangseuphorie ein wenig aus: die „umfangreiche Bürokratie“, wie sie sagen. „Wir müssen für alle möglichen Behörden so viele Formulare ausfüllen und es wäre schön, wenn man das vereinfachen könnte“, merkt Jakob Koller an. Er und Spitz lernten sich als Kollegen bei ihrem alten Arbeitgeber kennen und schätzen. Nach der Meisterprüfung im Jahr 2024 entschlossen sich die beiden schnell dazu, sich gemeinsam selbstständig zu machen.
Über die Betriebsbörse der Handwerkskammer (siehe auch Infokasten) kam der Kontakt mit HWK-Betriebsberater Horst Zaglauer zustande. „Nach mehreren Einzelgesprächen habe ich die beiden dann mit Werner Goschler zusammengebracht, weil ich mir schon dachte, dass das passen könnte“, erzählt er. „In den folgenden Monaten habe ich die Parteien dann weiterbetreut.“ Genauso wie die Betriebsbörse, so ist auch die Betriebsberatung der Handwerkskammer mit keinerlei Kosten, Gebühren oder Provisionszahlungen verbunden. Horst Zaglauer zum Beispiel hat die Parteien bei der Feststellung des Unternehmenswertes oder bei der Erstellung eines Businessplans unterstützt. Er rät potentiellen Übergebern dazu, sich frühzeitig bei der Betriebsbörse registrieren zu lassen. „Denn nicht immer geht alles so schnell über die Bühne wie hier.“
Pläne und Unternehmergeist
Julian Spitz und Jakob Koller haben viele Ideen, Pläne und unternehmerischen Mut – aber auch „den nötigen Respekt vor der Aufgabe“. Neben diversen Modernisierungsmaßnahmen in der Werkstatt, möchten die Handwerksmeister ihr Augenmerk vermehrt auf den Bereich der Elektromobilität legen. „Gleichzeitig werden wir Bewährtes natürlich beibehalten. Wir reparieren nach wie vor Kraftfahrzeuge aller Fabrikate und bleiben weiterhin Schadenspartner diverser Versicherungen“, sagt Jakob Koller. Julian Spitz ergänzt: „Natürlich würden wir uns freuen, wenn auch Kollegen aus dem Handwerk ihre Fahrzeuge bei uns reparieren lassen.“ Die beiden Kfz-Meister zeigen, dass man mit einer guten Ausbildung, Fleiß, Beharrlichkeit und auch mit der Unterstützung der Handwerkskammer früh sein eigener Chef werden und Karriere machen kann.
Momentan sind die Arbeitstage der beiden Jungunternehmer extrem lang. „Aber wir möchten jetzt gleich alles so aufstellen, dass es für uns passt und wir weiterhin einen Komplettservice aus einer Hand anbieten können“, sagt Julian Spitz. Die Auftragslage ist gut, weshalb die beiden Jungunternehmer bereits jetzt einen zusätzlichen Lackierer, eine Bürokraft und auch Auszubildende suchen. Sieglinde und Werner Goschler nehmen es als Kompliment, dass ihre Werkstatt zum Sprungbrett für zwei Existenzgründer geworden ist: „Uns freut‘s einfach, dass die zwei gekommen sind.“
DHZ-Artikel
Ein Artikel aus der Deutschen Handwerks Zeitung vom 23. Januar 2026.
Zum Thema
Die Betriebsbörse der Handwerkskammer
Sind seit kurzem ihr eigener Chef: die beiden Inhaber von „KS Automobile“ Julian Spitz (li.) und Jakob Koller.